Jom HaSchoa

Yom HaShoah 19. April 2012
Aus Wikipedia
Yom HaZikaron laShoah ve-laG’vurah (“Holocaust- und Heldengedenktag”), ist sowohl in Israel als auch im Ausland als Yom HaShoah bekannt und findet in Israel in Gedenken an die fast sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust statt. Dieser Jahr fällt dieser Tag auf den 19. April.
Die meisten jüdischen Gemeinden halten an diesem Tag eine feierliche Zeremonie ab, aber es gibt kein institutionalisiertes Ritual, das von allen Juden akzeptiert wird. In der Regel werden Gedenkkerzen angezündet und der Kaddisch – das Gebet für die Verstorbenen –rezitiert.
Yom HaShoah wird in Israel in einem Staatsakt bei Sonnenuntergang auf dem Warschauer Ghetto Plaza in Yad Vashem (Jerusalem) angegangen, wo Holocaust-Überlebende sechs Fackeln als Symbol für die etwa sechs Millionen Juden, die im Holocaust umkamen, anzünden.
Um 10:00 Uhr läuten an Yom HaShoah in ganz Israel für zwei Minuten die Sirenen. Während dieser Zeit halten alle Menschen inne, der gesamte Verkehr steht still, auch auf den Autobahnen. Das ganze Land kommt zum Stillstand kommt und die Menschen zahlen schweigend ihren Tribut an die Toten.
Am Vorabend zu Yom HaShoah und am Tag selbst, sind öffentliche Unterhaltungseinrichtungen per Gesetz geschlossen. Das israelische Fernsehen strahlt Holocaust Dokumentarfilme und entsprechende Talkshows aus, und es werden ausschließlich Low-Key-Lieder im Radio gespielt. Flaggen an öffentlichen Gebäuden wehen auf Halbmast.
Das Oberrabbinat von Israel beschloss 1949 dass der Zehnte von Tewet der nationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust zu sein hat. Für diesen Tag wurde empfohlen, Wege der traditionelle jüdische Totenerinnerung anzugehen, wie z.B. das Studium des traditionelles Mischna Abschnittes über rituelle Bäder, Psalmen aufzusagen, das Anzünden einer jahreszeitlichen Kerze und das Aufsagen des Kaddisch für jene Holocaust-Opfer, deren Todesdatum ist unbekannt. Andererseits verwies das Oberrabbinat auch auf Tisch’a be’Av als ein Tag des Gedenkens für die Opfer des Holocaust.

So ist eine Situation entstanden, wo religiöse Formen des Gedenkens vorwiegend am zehnten Tewet und an Tisha B’Av stattfinden, während die säkulare Form des Gedenkens in erster Linie Yom HaShoah vorbehalten ist und das wiederum führt dazu, dass jeweils ein Teil der Bevölkerung einen der Gedenktage ignoriert.

Schemini

Paraschat Schemini Leviticus 9,1-11,47
Kerzenanzünden Freitag 20. April um 20:07 Uhr
Hawdala Samstag 21. April um 21:19 Uhr
Der kommende Schabbat ist Schabbat Mewarechim, und wir segnen am Schabbat Morgen nach der Torahlesung den kommenden jüdischen Monat. Am Sonntag und Montag (22. bis 24. April) feiern wir Rosch Chodesch Ijar.
Die Parascha Schemini beginnt mit: „Und es war am achten Tag…” (Vayikra 9:1). Welchen achten Tag meint die Torah damit? Die Torah spricht über den „achten Tag”, der auf die vorhergehenden sieben folgt, während derer das jüdische Volk die Sieben Tage der Weiheopfer vollzog. Es war sozusagen eine Hauseinweihungsparty für den Mischkan, den Tabernakel und Moshe Rabbeinu hatte die Funktion des Kohen HaGadol, des Hohenpriesters inne.
Der „achte Tag”, von dem in dem zitierten Abschnitt die Rede ist, war der Tag als Aharon Mose ablöste und der Mischkan seine normale Funktion übernahm, wobei die Kohanim den Dienst taten.
Es ist eigenartig, dass die Torah diesen Anlaß als „achten” Tag bezeichnet. Es war eigentlich der „erste” Tag. Die ersten sieben Tage waren mehr oder weniger die Vorbereitung. Jeden Tag bauten sie den Mischkan auf und wieder ab und die Schechina, die g’ttliche Gegenwart blieb nicht darin. Jetzt war doch wirklich „TAG EINS” des Mischkan, als die g’ttliche Gegenwart kam. Aber die Torah besteht darauf, dies den „achten Tag” zu nennen. Was will uns die Torah damit sagen?
Die Torah lehrt uns damit eine wichtige Lektion: In geistlichen Dingen ist die Vorbereitung fast so wichtig wie das eigentliche Ereignis. Hätte die Torah diesen Tag „Tag Eins” genannt, so würde dies bedeuten, dass die ganzen Vorbereitungen nur Übungen waren. Dies mag zwar auf weltliche Dinge zutreffen, aber nicht in Bezug auf geistliche Dinge. Vorbereitung ist wichtig in Bezug auf geistliche Dinge.
In anderen Lebensbereichen wird ein Mensch nur dann belohnt, wenn er die Aufgabe beendet, wenn er in seinen Anstrengungen Erfolg hat. Ein Mensch wird nur bezahlt für das Produzieren. Es ist nicht die Anstrengung oder die Vorbereitung, die zählt, sondern das Ergebnis; „Was kommt unter dem Strich heraus?”
Bezüglich geistlicher Dinge verhält es sich anders. Wenn ein Mensch eine Mitzwa tut aber nicht das Ergebnis erzielt, dann wird der Mensch trotzdem für seinen Versuch belohnt.
Deshalb werden die Monate der Vorbereitung im Mischkan und die Sieben Tage der Weiheopfer nicht einfach vergessen am „TAG EINS”. Die Anstrengungen dieser Vorbereitungen werden sich auszahlen. Es wird eine Belohnung dafür geben.
Wir arbeiten und werden belohnt. „Eröffnungstag” ist schon „Tag 8″, weil alle Gedanken und Vorbereitungen, die auf diesen Tag angelegt sind ebenfalls eine wichtige Rolle in G’ttes Kalkulation spielen.
Schauen Sie sich einmal an. Es ist nicht einfach, ein traditionelles jüdisches Leben in Deutschland zu führen. In Schweden, wo ich aufgewachsen bin, sagten die religiösen israelischen Schlichim, die zum arbeiten in die jüdische Gemeinde nach Stockholm kamen: “Jeder, der aus Schweden zurückkehrt, kommt mit einem kleinen Schwein im Magen zurück.” G’tt sei Dank, es ist VIEL leichter in Heidelberg koscher zu leben – aber haben wir wirklich Erfolg?
Nuh, zumindest versuche ich mein bestes…
Unsere Kinder werden erwachsen. Welche Schule ist am besten für ein jüdisches Mädchen, einen jüdischen Jungen geeignet? Die Wahl ist schwer. Wie können wir ihnen die beste jüdische Erziehung geben? Wir können es uns nicht leisten zu versagen.
Nuh, zumindest versuche ich mein bestes…
Unsere unglücklichen Brüder und Schwestern aus der ehemaligen Sowietunion. Aufgrund von 70 Jahren kommunistischer Gehirnwäsche haben sie den Kontakt mit ihren Wurzeln verloren (wäre ich nur so effektiv…).
Wir müssen ihnen helfen.
Wir müssen sie zurückbringen.
Wir müssen sie in unserer Mitte willkommen heißen.
Wir müssen sie zu uns nach Hause einladen.
Wir müssen…
Nuh, zumindest versuche ich mein bestes…
Nicht wahr?

Omer

Omer (nach http://www.de.chabad.org)
Die Feiertage von Pessach und Schawuot sind miteinander verbunden.
Pessach markiert unsere physische Befreiung (den Exodus aus Ägypten und die Geburt der jüdischen Nation) und an Schawuot erhielten wir die Tora – die spirituelle Essenz und geistige Befreiung des Jüdischen Volkes. Um diese Verbindung besonders hervorzuheben, zählen wir jeden einzelnen der 49 Tage zwischen diesen beiden Feiertagen. Diese Zahlen, genannt Sefirat HaOmer, drückt unser eifriges Zuvorkommen beim Erhalt der Tora aus. Das Zählen beginnt am zweiten Abend von Pessach, unmittelbar nach Einbruch der Nacht, und wird von da ab jeden Abend fortgesetzt.
Haben Sie vergessen den Omer bei Nacht zu zählen? Dann zählen Sie am folgenden Tag, aber ohne einen Segensspruch. In der darauf folgenden Nacht zählen Sie wieder, wie gewohnt, mit einem Segensspruch. Ein Segensspruch wird nur gesagt, wenn jeder Tag bis dahin gezählt wurde. Haben Sie einen Tag vergessen zu zählen, sprechen Sie ab dann die Omerzählung ohne einen Segen.
BARUCH ATA ADO-NAJ ELOHENU MELECH HAOLAM ASCHER KIDESCHANU BEMIZWOTAV WEZIWANU AL SFIRAT HAOMER.
Gesegnet seist Du, G-tt, unser G-tt, König des Universums, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, das Omer zu zählen.
Heute ist ein (zwei, drei…) Tag des Omer.

Pessach Teil 2 – Chol HaMoed

Chol Hamoed
Das sind jene Tage, die zwischen Pessach-Festtagswoche und Sukkot fallen. Dieses Jahr vom 9. bis zum 13. April.
From http://www.de.chabad.org/
Chol Hamoed (wörtlich: der Wochentag der Festtagswoche”) bezeichnet die “Zwischenperiode” der beiden Feste Pessach und Sukkot. Sie sind jene Tage, die zwischen den Anfängen und Enden der heiligen Tage der beiden Feste liegen. Pessach ist acht Tage lang. Die ersten beiden und letzten Tage sind volle Feiertage und die vier mittleren Tage sind Chol Hamoed. (In Israel dauert Pessach sieben Tage und die fünf mittleren sind Chol Hamoed.)
Sukkot bis Simchat Tora hindurch sind neun Tage. Die ersten beiden Tage von Sukkot sowie die letzten beiden Tage (Schmini Azeret und Simchat Tora) sind volle Feiertage und die mittleren fünf Tage sind Chol Hamoed. (In Israel ist das Fest acht Tage lang – Schmini Azeret und Simchat Tora werden zu einem Tag zusammengefasst – die mittleren sechs Tage sind dort Chol Hamoed.)
Für viele Familien sind Chol Hamoed eine perfekte Zeit für SpaßausflügeAn den vollen Feiertagen von Pessach und Sukkot ist es uns verboten, schöpferische Dinge zu tun, fast wie an Schabbat (mit Ausnahmen).
An Chol Hamoed jedoch, dürfen wir viele dieser Dinge tun, z.B. ist uns der Gebrauch von Elektrizität oder das Autofahren gestattet. (Es sei denn, der Zwischentag ist ebenfalls ein Schabbat). Dennoch versuchen wir, nicht zu arbeiten, Wäsche zu waschen, zu schreiben und bestimmte andere Dinge nicht zu tun. (Sehen Sie unten für genauere Einzelheiten über diesen Feiertag-Wochentag-Balanceakt).
Für viele Familien sind Chol Hamoed eine perfekte Zeit für Spaßausflüge. An jenen Tagen sind Parks, Museen und Zoos oftmals voll von jüdischen Familien, die den Feiertag genießen.
Die besonderen Gebote der jeweiligen Feste werden auch an Chol Hamoed gehalten. Zum Beispiel dürfen wir an Chol Hamoed Pessach auch kein Chamez essen und an Chol Hamoed Sukkot speisen wir in der Sukka und schütteln den Lulaw und den Etrog. Die Chol Hamoed Tage beinhalten auch das Gebot, freudig zu sein und zu feiern, einige tragen Festtagskleidung.
Es gibt bestimmte Gebote und Toralesungen in der Synagoge, die an Chol Hamoed stattfinden und in vielen Gemeinden legen die Männer keine Tefillin an.
Welche Arten von Arbeit sind an Chol Hamoed erlaubt?
“Chol” bedeutet Wochentag, profan. “Moed” bedeutet Feiertag, heilig. Jedes dieser Wörter ist für sich leicht verständlich, aber wie kann ein Tag einfacher Wochentag und zugleich Feiertag sein?
So wenig Arbeit wie möglich; so viel Feiertag wie man kannUm die genaue Balance zwischen Feiertag und Wochentag zu halten, gibt es eine Reihe von Leitfäden, die uns helfen herauszufinden, was wir an jenen Tagen tun können und was nicht. Das grundlegende Prinzip ist, so wenig “fachmännisch” zu arbeiten wie möglich und den Feiertag so viel zu feiern, wie man nur kann. Im Folgenden ist eine allgemeine Zusammenfassung von Leitsätzen. Sollten diesbezüglich Fragen auftreten, so beraten Sie sich bitte mit einem kompetenten Rabbiner – wenn Arbeit getan werden muss, so ist sie höchstwahrscheinlich erlaubt.
Erlaubte Aktivitäten beinhalten:
* Alles nötige zum Zubereiten und Kochen von Speisen.
* Alles medizinisch Notwendige.
* Alle nicht anstrengende Arbeit, die falls sie dann nicht getan wird, zu einem Verlust führen würde (es sei denn, sie hätte vor dem Chol Hamoed getan werden und wurde absichtlich auf den Chol Hamoed verschoben).
Zusätzliche Vorschriften:
* Grundsätzlich sollten Geschäfte nur betrieben werden, wenn sie die Fähigkeit steigern, Dinge für den Feiertag zu kaufen oder falls durch das Nichtarbeiten sich das Kapital des Geschäfts verringert. Ansonsten ist der Verkauf von Waren verboten.
* Es ist verboten, geschäftliche Dinge aufzuschreiben, es sei denn, man vergäße wichtige Einzelheiten, die in einen finanziellen Verlust führen würden.
* Wir kaufen nur Dinge ein, die wir für den Feiertag benötigen, es sei denn, der Artikel ist im Angebot und wäre nach dem Feiertag teurer bzw. vergriffen.
* Das Schreiben sollte vermieden werden. Falls absolut nötig, sollte es auf eine andere Art getan werden als gebräuchlich.
* Wäsche zu waschen ist verboten. Ausgenommen sind Kleidungsstücke, die für den Feiertag benötigt werden und nicht vor Beginn des Feiertages gewaschen werden konnten.
* Das Arbeiten auf dem Feld ist – ausgenommen sind wichtige Bewässerung sowie das Ernten von Nahrung für den Chol Hamoed – verboten. Es sei denn, das Nichtarbeiten zöge einen finanziellen Schaden mit sich.
* Wir kaufen nur Dinge für Chol HamoedHochzeiten finden an Chol Hamoed nicht statt, obwohl Verlobungen erlaubt sind.
* Haare schneiden sowie Rasur sind verboten.1
* Das Schneiden von Nägeln ist erlaubt, falls man auch am Vortag des Feiertags die Nägel geschnitten hat.
* Fasten ist verboten.
* Trauerpraktiken werden anders begangen und man sollte immer einen kompetenten Rabbiner zu Rate ziehen.
* Man darf eine bedürftige Person beauftragen, die Arbeiten zu verrichten, die an Chol Hamoed normalerwiese verboten sind, um ihm mit einem Einkommen zu versorgen, mit dem er sich Dinge für den Feiertag kaufen kann.

Pessach A-Z

Pessach von A – Z
Nach http://www.de.chabad.org/
Ein schneller Überblick über den Ablauf von Pessach
Ein Monat vor Pessach:
A. Beginn über Pessach zu lernen und die Gesetze zu studieren.
B. Beginn des Reinigungsablaufs des Hauses. Systematisch jeden Teil des Hauses inspizieren und von Spuren von Chamez reinigen. Auf der Hut sein vor Krumen aller Sorten, versteckten Schokoladen-Lagern, fermentierten Getränken (fast alle, die mit Getreide hergestellt werden) etc. Eine Liste aller Räume des Hauses erstellen und jeden abhaken, wenn er gesäubert wurde.
Die Vorschriften des Hauses zur Vor-Pessachzeit durchsetzen: kein Essen darf die Küche verlassen. Nach dem Essen muss die Kleidung abgebürstet und die Hände sorgfältig gewaschen werden.
C. Einen besonderen Ort für die Lagerung des Chamez einrichten, der über die Dauer von Pessach verkauft wird. Dies kann ein Schrank, eine Vitrine in der Küche oder ein Raum im Keller sein – solange dieser Ort verschließbar ist und während des Pessachfestes nicht betreten werden kann.
D. Den Verkauf des Chamez arrangieren. Kontaktieren Sie www.ordonline.de.
E. Kaufen Sie die Pessach-Utensilien: Kaufen Sie Ihre Mazza und Ihren Wein im Voraus und lagern Sie diese an einen Ort, der sicher vor jedem Kontakt mit Chamez ist.
Wenige Tage vor Pessach:
F. Beginnen Sie mit den Arbeiten, um Ihre Küche „Koscher für Pessach“ zu machen. Verstauen Sie alle Utensilien, die das Jahr über verwendet wurden und verschließen oder versiegeln Sie jene Schränke. Packen Sie alle Speisen weg, die nicht koscher für Pessach sind und versiegeln sie jene Schränke. Sobald Ihre Küche komplett gereinigt ist, können Sie mit dem besonderen Prozedere für das Kaschern der Küche und Geräte für Pessach beginnen.
(Jetzt, da Ihre Küche sauber ist und sämtliche Nahrung, die nicht koscher für Pessach ist, verstaut wurde, können Sie dort nur noch Speisen zubereiten und essen, die koscher für Pessach sind. Sollten Sie noch nicht bereit sein, nur Nahrung zu essen, die koscher für Pessach ist, so können Sie zubereitete Speisen kaufen und diese außerhalb des Hauses essen bzw. an einem Ort, der über die Dauer der Feiertage „verkauft“ wird.)
G. Lagern Sie Ihr Pessachinventar. Nehmen Sie all das besondere Pessachgeschirr oder Silber zur Hand. Polieren Sie das Silber. Stellen Sie sicher, dass Sie für den Seder genügend Haggadas haben.
H. Machen Sie Ihre Pessach-Einkäufe. Kaufen Sie die Zutaten für den Seder sowie allgemein Speisen für Pessach. Lagern Sie diese in den gereinigten Kühlschrank und Schränken – selbstverständlich sind diese frei von jeglichen nicht für Pessach koscheren Speisen. Sie können nun beginnen, in Ihrer für Pessach koscheren Küche für die Feiertage zu kochen.
I. Stellen Sie sicher, dass Ihre Feiertagskleidung – und Schuhe bereit, gebügelt und poliert sind. Gönnen Sie sich etwas Neues – ein Outfit, Schuhe oder nur einen Schlips.
Donnerstagabend – 05.04.2012 frühesten um 20.42:
J. Machen Sie die rituelle Suche nach Chamez. Nehmen Sie eine Kerze, einen Löffel und eine Feder und durchsuchen Sie ihr Haus nach übrigem oder vergessenem Chamez.
Freitagmorgen – 06.04.2012:
K. Wenn Sie ein erstgeborener Sohn sind bzw. der Vater eines erstgeborenen Sohnes, der noch nicht das Alter der Bar Mizwa erreicht hat, nehmen Sie an einem Sijum oder einem anderen Mizwafest teil, um das “Fasten des Erstgeborenen” zu absolvieren.
L. Die letzte Möglichkeit, Chamez zu essen, ist um 10.32. Danach wird bis nach dem Ende des Festes kein Chamez mehr gegessen. Das Chamez muss bis 11.59. (Zu dieser Zeit sollten alle Schränke und Bereiche, in denen sich Chamez befindet, versiegelt sein).
M. Verbrennen sie all das übrige Chamez, das nicht verkauft wurde; inklusive dem, was am Sonntag bei der Suche nach Chamez gefunden wurde. Rezitieren Sie die „Nichtigkeitserklärung“, bei der jeglicher Besitzanspruch über alles Chamez, das sich noch in Ihrem Besitz befinden könnte, für nichtig erklärt wird.
Freitagnachmittag:
N. Bereiten Sie den Seder vor. Bereiten Sie die Artikel für den Seder-Teller vor, decken Sie den Tisch und erledigen sie die letzten Dinge für das Seder-Mahl.
O. Entzünden Sie die Feiertags- und Schabbatkerzen. Sollten Sie keine beständige Lichtquelle haben (wie eine Zündgasflamme), entzünden Sie eine 24-Stunden-Kerze – von der aus Sie am folgenden Abend die Feiertagskerzen entzünden können.
Freitagagabend:
P. Besuchen Sie den Feiertagsgottesdienst der Synagoge.
Q. Halten Sie den ersten Pessachseder. Befolgen Sie die 15 Schritte, rezitieren Sie die Haggada, erzählen und durchleben Sie die Geschichte des Exodus und genießen Sie Mazza, Wein und bittere Kräuter. Versichern Sie sich, den Afikoman bis Mitternacht zu essen.
Schabbatmorgen – 07.04.2012:
R. Besuchen Sie den Pessach-gottesdienst (der ein besonders Gebet für Tau enthält) und die Toralesung.
Schabbatabend:
S. Das Omerzählen beginnt heute Abend.
Außerhalb Israel beginnt ein zweiter Tag Jom Tov (heiliger Festtag), der grundsätzlich eine Wiederholung des ersten darstellt. Entzünden Sie nach Einbruch der Dunkelheit (in Heidelberg um 20.55) die Feiertagskerzen von einer bereits existierenden Flamme (da es verboten ist, an Jom Tov eine neue Flamme zu erzeugen). Heute Abend wir der komplette Seder wiederholt (Dieses Mal gibt es keine Mitternachtsfrist, Sie können bis zum Morgen durchmachen). Am nächsten Tag, Sonntag, ist der zweite Festtag; gehen Sie zur Synagoge und besuchen Sie die besonderen Pessachgebete und die Toralesung.
Mozae Schabbat:
T. Wir haben jetzt die vier “Zwischentage” von Pessach erreicht. Führen Sie die Hawdala durch (Weihrauch und Kerze), die den Abschluss der ersten Tage des Festes markiert. Begehen Sie die Zwischentage mit Mazza, koscher für Pessach Gerichten, Familienausflüge (im Frisch gereinigten Auto) und weiterem erzählen der Exodusgeschichte. Es ist immer noch Pessach, deswegen essen, besitzen oder ziehen wir keine Freude aus Chamez, allerdings sind die meisten Aktivitäten, die am ersten und den letzten beiden Tagen verboten sind, erlaubt. Wir fügen auch besondere Passagen zu unseren Gebeten hinzu: Hallel, Ja‘aleh Wejawo und Mussaf.
Donnerstagabend – 12.04.2012:
U. Heute beginnen die letzten zwei Festtage von Pessach. Entzünden Sie um 19.55 die Kerzen und genießen Sie die festlichen Mahlzeiten am Donnerstagabend, Freitagnachmittag – und Freitagabend (Kerzen anzünden um 19.56) sowie Schabbatnachmittag.
Schabbatmorgen – 14.04.2012:
V. Jiskor, das Gedenkgebet für verstorbene Eltern, wird nach der Toralesung während des Morgengebets rezitiert.
Schabatnachmittag:
X. Während der Tag schwindet, verbringen Sie die letzten Stunden von Pessach zusammen mit Familie und Freunde.
Dienstagabend:
Y. Bei Einbruch der Nacht kommt das Pessachfest zum Ende. Machen Sie Hawdala über Ihren letzten Becher Wein, der koscher für Pessach ist. Legen Sie das Pessachgeschirr, die Haggadas und alle anderen Pessachartikel zur Seite und schließen Sie diese bis zum nächsten Jahr weg. Dann …
Z. Können Sie wieder Chamezessen und – Trinken genießen und mit Pizza, Brot und Bier feiern – alles Koschere. Aber wenn Sie dies tun, so vergessen Sie nicht die acht Tage der Freiheit, die Sie gerade genossen haben und erinnern Sie sich das ganze Jahr hindurch – während Sie Ihr gesäuertes Brot genießen – dass Sie noch immer ein bisschen des Mazza-Geistes mit sich tragen!

Pessach Teil 1

Hallo

Im April beginnt mit den Vorbereitungen für Pesach und den Feierlichkeiten zum Chag ein äußerst intensiver Jahresabschnitt. Im ersten Teil, den ich über Pesach schreibe, werde ich mich überwiegend auf die praktischen Aspekte zum Chag konzentrieren. Und ich muss außerdem erwähnen, dass ich alles was ich heute schreibe eigentlich mehr oder weniger von folgender Seite übernommen habe: http://www.de.chabad.org/holidays/passover. Für weitere Informationen wendet euch bitte an diese Seite. Falls Ihr Englisch lesen könnt empfehle ich auch: http://www.aish.com/h/pes/

Okay, krämpelt die Ärmel hoch. Los geht’s!

Operation Null Chamez

Pessach ist ein Feiertag, der Ihre komplette Beteiligung in Anspruch nimmt – nicht nur über die acht Tage, sondern auch schon Wochen zuvor. Neben den regulären Feiertagsgeboten sind wir ferner angehalten (Exodus 13:3-7): “Nichts Gesäuertes soll gegessen werden… Sieben Tage sollst Du Ungesäuertes Brot essen… und nichts Gesäuertes [in Deinem Besitz] bei Dir gesehen werden.”

Wir erreichen dies durch sorgfältiges Reinigen und Inspizieren unserer Heime vor Pessach und schrittweisem Eliminieren von Chamez in jedem Raum und jeder Spalte. Dieses intensive Reinigen findet in jüdischen Heimen auf der ganzen Welt statt. Die folgende Übersicht und die Artikel helfen Ihnen, diese Aufgabe bei sich zuhause zu bewältigen.

1. Was ist Chamez?

Chamez ist “Gesäuertes” – jede Speise, die aus Getreide und Wasser besteht und die genügend Zeit hatte zu fermentieren und “aufzugehen”. Brot, Cerealien, Kuchen, Kekse, Pizza, Pasta und Bier sind offensichtliche Beispiele für Chamez. Allerdings können alle Speisen, die Getreide oder deren Derivate enthalten, Chamez sein – und oft sind sie es auch. Praktisch gesehen können alle Lebensmittel, die nicht als “koscher für Pessach” zertifiziert sind, Chamez Zutaten enthalten.

Chamez ist das Gegenteil von Mazza, dem ungesäuerten Brot, das wir an Pessach essen, um uns der Eile zu erinnern, in der wir Ägypten verließen sowie dem demütigen Glauben, durch den wir die Erlösung bekamen. Mazza ist das Symbol des Exodus, eine zentrale Komponente der Sederrituale und das Herzstück des “Festes der Mazzot”, wie Pessach in der Tora genannt wird. Und die Kehrseite des Mazza-Essens ist, dass man Chamez los wird – und damit auch den Egoismus und die geistige Rauheit, die sie repräsentiert.

2. Was man mit Chamez tut – oder eben nicht tut

Vom Morgen des Pessachabends bis zum Ende des Festes – für ungefähr acht Tage und acht Stunden – vermeiden wir das Essen von Chamez bzw. alles, was das kleinste Überbleibsel davon enthält. Es ist in dieser Zeit ebenso untersagt, Chamez zu besitzen, jedweden Nutzen aus Chamez zu ziehen oder Chamez physisch in unserer Nähe zu haben.

Weil Chamez in unseren Leben überall präsent ist (stellen Sie sich eine menschliche Behausung ohne einen einzigen Kekskrümel vor!), ist das Loswerden an Pessach kein einfaches Unterfangen. Die Vorbereitungen, das Heim “koscher für Pessach” zu machen, beginnen Tage, sogar Wochen davor. Aber für diejenigen, die die Anstrengungen der Reinigung auf sich nehmen, ist es ein noch bedeutungsvolleres Fest der Freiheit.

Ein Chamez-freies Pessach zu erzielen beinhaltet sechs grundlegende Schritte: Reinigen des Heims, herstellen einer Pessachküche, der Verkauf, die Suche nach, das Verbrennen und die Annullierung des Chamez.

3. Reinigen des Hauses

Einfach gesegt (obwohl nicht leicht getan) – reinigen Sie Ihr Heim gründlich von oben bis unten. Staubsaugen Sie die Teppiche und Böden, wischen Sie Schränke und Bücherregale ab. Stellen Sie sicher, dass Sie auch jene Bereiche reinigen, die sehr schwer zu erreichen sind: unter den Sofakissen und zwischen den Bodendielen. Verschieben sie Möbel und Kühengeräte, um dahinter und an die unteren Stellen zu gelangen. Leitgedanke: sollte sich der sprichwörtliche Kekskrumen dort befinden – holen Sie ihn sich.

Da jeder Bereich des Heims gereinigt wird, stellen Sie sicher, dass jeder weiß, dass es “koscher für Pessach” und absolut gesperrt für Nahrung ist, die man dort herein bringen möchte. Praktischer Ratschlag: beginnen Sie mit den Schlafzimmern, dann weiter zum Wohnzimmer und anderen gebräuchlichen Räumen und zum Schluss Esszimmer und Küche, sodass Sie diese Orte nutzen können, das Chamez so nah wie möglich am letztmöglichen Termin zu verspeisen.

Andere Orte, die gereinigt werden müssen: Büro, Auto, Taschenbuch – jegliche Bereiche, die Ihnen gehören, von Ihnen gemietet wurden oder deren Nutzungsrecht Sie besitzen. Orte, die Sie nicht reinigen müssen: 1. Räume und Bereiche, von denen Sie absolut sicher sind, dass dort keinerlei Nahrung hineingebracht wurde und 2. Räume oder Bereiche, die verkauft werden (siehe Schritt 5).

4. Die Küche vorbereiten

In Ihrer Küche bereiten Sie das ganze Jahr über Chamez zu. Es ist also offensichtlich der schwierigste Teil des Hauses, den man “koscher für Pessach” machen muss. Es ist aber auch der wichtigste Teil, da Sie dort Ihre “koscher für Pessach”-Speisen zubereiten werden.

Reinigen Sie die Küche besonders gründlich. Decken Sie die Schränke mit Pappe, Silberfolie oder Papier ab. Bedekcen Sie auch alle Arbeitsplatten und Tische.

Es ist wünschenswert, getrennte Sets an Töpfen, Geschirr, Besteck etc. zu haben, die nur für den Gebrauch an Pessach bestimmt sind. Viele besitzen auch spezielle obere Bereiche, Toaster, Mikrowellen usw., die nur für den Pessachgebrauch bestimmt sind. Falls dies nicht nötig ist, so können Kochgegenstände, Besteck und bestimmte Arten Geschirr durch das Eintauchen in kochendem Wasser gekaschert werden. Öfen und Kochbereiche können durch Erhitzen gekaschert werden. Siehe u.a. Link “Die Küche vorbereiten” für die angemessene Prozedur für die jeweiligen Gegenstände.

5. Der Verkauf Ihres Chamez

Sagen wir, Sie besitzen einen Getränkemarkt. Oder Sie haben sich gerade einen für drei Monate reichenden Vorrat an Cerealien zugelegt. Oder aber Sie wohnen in einem 40-Zimmer-Anwesen und haben nicht die Lust, alles zu reinigen. Besteht die Möglichkeit, den Besitz an Chamez zu vermeiden, ohne es für immer loszuwerden?
Ja, die gibt es. Da sich das Gebot, Chamez loszuwerden nur auf Juden bezieht, können Sie es doch kurzerhand an Nichtjuden verkaufen und nach Pessach zurückkaufen. Der Bereich, in dem sich das Chamez befindet, wird über die Dauer des Festes an einen Nichtjuden verpachtet. Es ist wichtig zu erkennen, dass der Verkauf nicht symbolischer Natur ist, sondern einen 100 %ig verpflichtende Transaktion. Das können Sie durch www.ordonline machen.

Bestimmen Sie den Ort, an dem Sie Ihr zum Verkauf stehendes Chamez lagern werden. Dies können Schränke, Räume oder ganze Häuser sein. Bedenken Sie, dass Sie diesen Bereich über den Zeitraum des Fests nicht nutzen oder betreten dürfen. Ihr örtlicher Rabbiner kann den Verkauf für Sie übernehmen, nachdem Sie ihm eine Vollmacht für den Verkauf Ihres Chamez gegeben haben. Sie können Ihr Chamez auch online über unsere Webseite verkaufen.

6. Die Suche

Am Vorabend Pessach (nicht vor 20.42) führen wir im Kerzenschein eine feierliche Suche nach jeglichem vergessenen oder zurückgebliebenen Chamez durch. Sie benötigen: eine Kerze (um die schwer erreichbaren Ecken und Verstecke zu erleuchten), eine Feder (um die kleinen Krumen aufzuwirbeln), einen hölzernen Löffel (um das Chamez zu halten und das Verbrennen zu erleichtern sowie eine Papiertüte (in das all das Erwähnte kommt).

In diesem Moment sollte das Haus vollständig für Pessach gereinigt sein und hoffentlich findet man kein Chamez mehr. Daher ist es gebräuchlich, zehn eingewickelte Stücke Brot im Haus zu verstecken, um vom Suchenden gefunden zu werden (Kinder lieben diesen Teil), sodass wir das Gebot, vor Pessach nach Chamez zu suchen und es zu zerstören, erfüllen können.

Versammeln Sie die Familie, entzünden Sie die Kerzen und rezitieren Sie den Segen:

Gesegnet seist Du, G-TT, G-tt des Universums, der Du uns durch Deine Gebote geheiligt und uns geboten hast, das Chamez zu beseitigen.

Suchen Sie gründlich im gesamten Haus nach Chamez, das bei der Reinigung übersehen worden sein kann und sammeln Sie die zehn versteckten Stücke ein. Packen Sie das Chamez, die Feder, den Holzlöffel und die Rückstände der Kerze in die Papiertüte, verschließen Sie diese sorgfältig und lagern Sie sie an einen sicheren Ort, um es morgen früh zu verbrennen. Rezitieren Sie nun die “Annullierungserklärung”, mit der Sie sich vom Besitz des Chamez freisprechen, das Sie vielleicht übersehen haben:

Jeglicher Sauerteig und alles Gesäuerte in meinem Besitz, den ich nicht gesehen und entfernt habe und von dem ich nichts weiß, soll als nichtig und besitzlos wie der Staub der Erde betrachtet werden.

7. Letzer Termin zum Essen von Chamez

Der absolut letzte Termin, Chamez zu essen, ist am Morgen vor Pessach um 10.32.

Nach dieser Zeit ist es bis zum Ende des Festes verboten, Chamez zu essen. Ihnen verbleibt immer noch eine Stunde (bis um 11.59), in der Sie Chamez aus Gründen verwenden können, bei denen Sie es nicht essen und dürfen damit umgehen, um es zu verkaufen oder zu zerstören.

8. Verbrennen des Chamez

Nehmen Sie den Beutel mit dem Chamez der Suche von letzter Nacht sowie alles andere Chamez, das Sie nicht verkaufen werden, machen Sie ein Feuer und verbrennen Sie es. Wenn Sie das Chamez in Flammen aufgehen sehen, so denken Sie auch an Ihr persönliches Chamez – den aufgeblasenen Stolz und Egoismus, der die Beziehung zu unserem Schöpfer, unseren Geliebten und unseren Freunden behindert – und wie Sie es auch aus Ihrem Herzen ausrotten.

Die Bereiche, in denen sich das verkaufte Chamez befindet, sollten versiegelt worden sein und es sollte keinerlei Chamez mehr in Ihrem Besitz befindlich sein.

9. Annullierung Ihres Chamez

Nachdem das Chamez verbrannt wurde, rezitieren Sie die folgende “Annullierungsbekundung”, mit der Sie sich vom Eigentum jeglichen sich noch in Ihrem Besitz befindlichen Chamezes freisprechen:

Jeglicher Sauerteig und alles Gesäuerte in meinem Besitz, ob ich es gesehen habe oder nicht, ob ich es bemerkt habe oder nicht, ob ich es entfernt habe oder nicht, soll als nichtig und besitzlos wie der Staub der Erde betrachtet werden.

(Die Annullierungsbekundung, die am Vorabend ausgesprochen wurde, bezog sich lediglich auf Chamez, das während der Suche übersehen wurde, aber beinhaltete nicht all jenes Chamez, das zum Verkauf oder Essen am Morgen zur Seite geschafft wurde. Die heutige Bekundung deckt alles Chamez ab, das noch in Ihrem Besitz sein könnte und dient als letzte “Sicherheitsmaßnahme” für ein Chamez-freies Pessach.)

Bedenken Sie, dass das Verbrennen und das Annullieren des Chamez vor dem letzten Termin zur Beseitigung des Chamez abgeschlossen sein müssen; dies ist eine “saisonale Stunde” vor Mittag.

Von nun an sind Sie “Chamez-frei”, körperlich und geistig – und frei, um die Befreiungserfahrung der Sederrituale und des achttägigen Festes der Freiheit zu genießen.

Zaw

Paraschat Zaw Leviticus 06:01-08:36

Kerzenanzünden Freitag 30. März um 19.35

Hawdala Samstag 31. März um 20.43

Der kommende Schabbat, welcher jener vor Pessach ist, wird Schabbat HaGadol, der große Schabbat genannt. Dieser Schabbat hat keine besonderen Traditionen und es wird sogar darüber diskutiert, WESHALB wir ihn Schabat HaGadol nennen. In früheren Zeiten war das einer von Zwei Schabbatot im gesamten Jahr an dem der Rabbiner eine Dwar Tora gegeben hat (der Andere war der Schabbat zwischen Rosch HaSchana und Jom Kipur, Schabbat Teschuwa). Und der Inhalt dieser Dwar Tora sollte sich damit auseinandersetzen, wie man sich auf Pessach vorbereitet. Es gibt einen Witz der besagt, dass aufgrund der Tatsache, dass der Rabbiner so viel geredet hat – und es kam einen, wie eine Ewigkeit vor – man ihn den Namen Schabbat HaGadol gab. Sei es drum, ich glaube, dass es eine gute Gelegenheit für uns ist sich hinzusetzen und den Schabbat-Nachmittag dafür zu nutzen die Pessach Hagada vorzubereiten und sich auf die Seder Speisen zu freuen.

Schabat Schalom.

Shaul

XXX

Wie hört es sich an, wenn ein Jude seine Sünden beichtet?

Wie nichts!

Und wie hört es sich an, wenn ein Jude G”tt um etwas bittet?

Wie nichts!

Wie hört es sich an, wenn ein Jude sich bei G”tt bedankt?

Ganz genau: Wie nichts!

Die Synagoge ist dafür bekannt ein ziemlich lauter Ort zu sein. Aber wenn wir dazu übergehen das wichtigste Gebet des ganzen Gottesdienstes zu beten – Amida – DANN stehen wir konzentriert und jede einzelne Person rezitiert in absoluter Stille nur mit bewegenden Lippen seine Gebete zu G“tt. Danke, Fürbitte, Vergebung, alles wird leise gesagt. Die einzige Person, sie weiß es gesagt wird ist das jeweilige Individuum und G“tt.

Die jüdische Tradition geht davon aus, dass die Vergebung von Sünden eine strikt persönliche Angelegenheit zwischen einem Menschen und G“tt ist. Und diese Tradition hat einen sehr alten Ursprung. In der Tora gibt es eine sehr wichtige Lektion, die darauf anspielt.

Über viele Tora-Abschnitte wird oftmals hinweggesehen aufgrund der Meinung sie seien völlig irrelevant für die moderne Menschheit, da sie ausschließlich von Opfergaben in einem Tempel handeln, der bereits vor 2000 Jahren zerstört wurde.

In Leviticus 6:25 heißt es: “Dies ist das Gesetz vom Sündopfer: Am gleichen Ort, da man das Brandopfer schächtet, soll auch das Sündopfer geschächtet werden vor dem HERRN, weil es hochheilig ist.”

Was wie ein praktischer Ratschlag klingt, kann eigentlich auch als moralischer Ratschlag mit weitreichenden Anweisungen gegenüber der Haltung zur Sünde und zu Sündern gewertet werden.

Die Tora sagt uns damit, dass nur diejenige Person, die tatsächlich das Opfer darbringt auch wissen kann, um was für ein Opfer es sich handelt. Jede andere Person auf der Welt könnte es genauso gut auch als ein JUBEL-Opfer auslegen, wie das Brandopfer.

Und darin findet wir den Grund für die Stille im wichtigsten Gebet des synagogalen G“ttesdienstes.

Hieraus lernen wir, wie wichtig es ist niemanden in Verlegenheit zu bringen und jedermanns Privatsphäre zu achten.

Lassen Sie mich diese Predigt mit einer Redewendung aus dem Talmud beenden: Tze U’lemad! Gehe hinaus und lerne! Gehe hinaus und übe. Lasst es zu einem Teil eures alltäglichen Verhaltens werden.

WaJikra

Paraschat WaJikra Leviticus 01:01-05:26
Kerzenanzünden Freitag 23. März um 18.24
Hawdala Samstag 24. März um 19.32
Diesen Schabbat gibt es eine Menge zu lesen! Wir werden nicht wenige als drei Tora-Rollen verwenden. Zur ersten Sefer Tora werden sechs Personen aufgerufen und die reguläre Tora-Lesung, WaJikra, abhalten. Anschließend wird die zweite Sefer Tora für die siebte Person herangezogen und jener Text, der mit Rosch Chodesch in Zusammenhang steht gelesen (Numeri 28:9-16), da an diesen Schabbat zugleich Rosch Chodesch Nissan ist. Und schließlich, da es der Schabbat HaChodesch ist, lesen wir den besonderen Maftir aus Exodus 12:1-20. Die genannten Verse enthalten die Anweisung den Nissan zum Oberhaupt aller Monate zu machen. Dies war die erste Mitzvah, die die Juden noch in Ägypten erhielten.
XXX

Obwohl der Name Moses nur ein einziges Mal in der gesamten Pessach Hagadah erwähnt wird, würde niemand auf die Idee kommen ihn als zentrale Figur der Auszugsgeschichte in Frage zu stellen. Es war seine Führungspersönlichkeit gemeinsam mit unserer innewohnenden Größe als Volk, welche vereint uns ermöglichte im Himmel und auf Erden zu wandeln, die Geschichte neu zu schreiben, und auf dramatische Art und Weise die Kinder Israels von unterdrückten Sklaven in heilige Fürsten zu verwandeln. Nun, es ist manchmal schwer Moses Gemütsverfassung zu verstehen. Besonders rätselhaft ist sein Widerwille als Führer der Nation zu dienen, obwohl im bewusst ist, dass seine Führung für ihre Freiheit unverzichtbar ist. Er wehrte sich standhaft dagegen als Sprecher ausgewählt zu werden. Nach einer lange Debatte mit dem Allmächtigen sagt Moses schließlich: „Sende wen immer du senden willst (aber sende nicht mich!).“ Obwohl es hier so anhört als ob Moses versuchen würde seine Verantwortung loszuwerden, bietet der Midrasch eine auffallend gegensätzliche Erklärung. In Wirklichkeit sagt Moses zu G“tt:“ “Sende die Person, die Du in der Zukunft schicken wirst, um das jüdische Volk zu erlösen, nämlich den Propheten Elijahu! Er ist der Bote der ultimativen, endgültigen Erlösung, warum also warten? Lasst uns nun zielsicher fortfahren bis zum Ende des Prozesses!”

Moses, sehen wir nun, wollte sich seiner Verantwortung zu seinen Glaubensbrüdern weder entziehen noch sie umgehen. Er war eher unser Fürsprecher als uns bewusst ist. Moses war bewusst, dass nachdem wir das Land Israel betreten würden, wir sündigen und wieder verbannt werden würden, um dann wieder erlöst und abermals verbannt zu werden. Er erkannte, dass dieser Vorgang sich viele Male wiederholen würde. Und so, aus seiner tiefsten Liebe für die Kinder Israels heraus, diskutierte er mit G“tt, „Sende nicht mich, sende Elijahu und es wird sich um alles gekümmert! Warum durch die immer gleichen Wellen der Erlösung, Exil, Erlösung, Exil gehen? Lass uns die endgültige Erlösung hier und jetzt einleiten!“

Allerdings überstimmt G”tt Moses ebenso brillanten wie leidenschaftlichen Appell. G“tt sagt: Erlösung geht nicht auf diese Weise von statten. Erlösung kommt nicht in ihrer Gesamtheit auf einmal. Erlösung kommt Stück für Stück, allmählich, Schritt für Schritt. Elijahu wird tatsächlich die endgültige Erlösung verkünden. Ich werde ihn ebenfalls tatsächlich schicken. Aber nun ist deine Zeit, den Moment des Ruhmes gekommen und du musst die Rolle, die dir aufgetragen wurde annehmen.

Wir gehen heute in der jüdischen Welt umgreifenden und gefährlichen Herausforderungen entgegen: Assimilation, ein Mangel an Wissen um das Judentum, Mischehen und einer steigenden Polarisation unter den Juden in Israel. Doch trotz all unserer Probleme sind wir eindeutig auf den Vormarsch hin zur endgültigen Erlösung. Eine Renaissance des jüdischen Lernens, die Schaffung des Staates Israel, und die Vereinigung derer, die zuvor in der Diaspora lebeten, sind nur einige Wunder, die in unserer Mitte stattfinden. Wir mögen zwar noch nicht den Moment des Maschiach (Mesias) erreicht haben, aber so lange wir in die richtige Richtung gehen, sollten wir uns sicher sein „den großen und überwältigenden Tag“ zu erreichen. Auf das wir schon bald den mächtigen Shofar Ton der endgültigen Erlösung, im hebräischen Monat Nissan, der Jahreszeit unserer Befreiung, erhören. Denn im Nissan wurden wir erlöst und im Nissan werden wir erlöst werden.

WaJakhel-Pekudei

Paraschat WaJak’hel-Pekudej Exodus 35:01-40:38
Kerzenanzünden, Freitag 16. März um 18.13 Uhr
Hawdala, Samstag 17. März um 19.21 Uhr
Paraschat Para (Numbers 19:1-22) is read on the Shabbat following Purim. These verses deal with the Red Cow used in the spiritual purification process at the time of the Temple. This issue is important at this season of the year, since in looking forward to Pessach, every Jew is careful to maintain spiritual purity in order to partake in the holiday offerings.

XXX

Wenn wir heutzutage an ein Baby denken, dann denken wir an einen Menschen voller Freude und Unschuld, der noch zwanzig oder mehr Jahre eines sorgenfreien Lebens vor sich hat, bis zu seinem Universitätsabschluß. Aber die Vorstellung irgend einer Ausbildung ist relativ jung in der Gesellschaft. Selbst in der heutigen Zeit gibt es Familien in den ärmsten Ländern, die oft zu sehr belastet sind, als dass sie in ihren Kindern mehr sehen können, als Münder, die satt werden wollen. Man wartet auf den Tag, an dem der fünfjährige alt genug ist, um mit der Arbeit anzufangen und Geld zu verdienen, mit dem was seine kleinen Finger arbeiten können.

Das jüdische Verhältnis zu Kindern war immer verschieden davon. Das Gebot, die Torah zu studieren ist auf das biblische Gesetz gegründet: “Und Du sollst deine Kinder lehren.” und deshalb opfern jüdische Eltern alles, um für die Ausbildung ihrer Kinder zu bezahlen. Genauso an Pessach, wenn wir unsere nationale Unabhängigkeit feiern, konzentrieren wir uns auf die Kinder, die mit ihren eigenen Traditionen, Fragen und Antworten teilnehmen. Und vergessen wir nicht, dass zur Zeit als Awraham und Sarah um ein Kind beteten, ihre Umwelt noch Kinder dem Moloch opferten.

Im Torah Abschnitt dieser Woche “Vayakhel-Pekudei”, lesen wir über den Bau des Mischkan, dem Stiftszelt, in dem unter anderem auch die Keruwim waren. Die Cherubim auf dem goldenen Deckel über der Bundeslade mit den steinernen Tafeln. Rashis Beschreibung der Cherubim ist nur vier Worte lang “Demut Partzuf Tinok Lahem” – sie hatten die Gesichter von Kleinkindern. In vergangenen Diwrei Torah habe ich die verschiedenen Aspekte der Cherubim besprochen, aber diese Woche möchte ich mich darauf konzentrieren, wie die Wahl für ein Kleinkind als Cherub im Einklang ist mit einer wichtigen Vorstellung im Judentum.

An diesem Ort, an dem HaShem mit Mosche spricht, würden wir da nicht eine Peson mit einem langen Bart, die Alter und Weisheit symbolisiert, erwarten? Warum das Gesicht eines Kindes am Allerheiligsten Ort?

Lassen Sie mich eine Geschichte aus dem Talmud darüber erzählen, wie die erste Übersetzung der Torah ins Griechische erfolgte: Ptolemäus II, König von Ägypten rief 72 Weise zusammen und brachte jeden in einem eigenen Quartier unter und befahl jedem, die Torah ins Griechische zu übersetzen.

Der Talmud berichtet, dass die Weisen Angst hatten, dass wenn manche Verse wörtlich übersetzt würden, die Hellenistische Welt das Anliegen der Torah misverstehen könnte und deshalb änderte jeder Übersetzer mehr als ein Dutzend solcher “problematischer” Verse. Das Wunder war, dass alle die gleichen Veränderungen machten, obwohl sie nicht in Kontakt miteinander standen. Eine solche Veränderung betrifft einen Vers in Mishpatim. Der Abschnitt endet mit der Besiegelung des Bundes am Sinai. Mosche steht früh am Morgen auf und baut einen Altar mit zwölf Säulen für die zwölf Stämme. Mosche “sandte die Jungen zu den Israeliten und sie opferten Stiere als Brandopfer und Friedensopfer für HaShem” (Ex.24,5). Der Vers sieht oberflächlich betrachtet sehr unschuldig aus, obwohl die Übersetzer dies nicht so empfanden. Sie änderten das hebräische Wort für Jugend (naarei) in das griechische Wort für Älteste (zatutei). Die Griechen hatten offenbar keine Schwierigkeiten mit Opfern, aber- so erklärt Rashi – es überstieg ihre Vorstellungen, dass man die Jugend für solch eine wichtige Aufgabe losschickte. Verantwortung der älteren Generation zu übertragen, konnte auch Ptolemäus verstehen.

Diese Episode im Talmud gibt uns einen Einblick in die jüdische Haltung ihrer Jugend gegenüber, im Gegensatz zu der Haltung der Hellenisten. Respekt für Kinder war etwas einzigartig jüdisches und es war kein Respekt, der auf Muskelwachstum und schönes Aussehen eines jungen Körpers basierte. Was das Kinder-Gesicht des Cherubs einnahm war die jüdische Vision von Geschichte: Allein in der Alten Welt waren wir ein Volk mit einer Bestimmung, eine Nation mit einer Vision, eine Religion mit einem Plan für die zukünftige Perfektion. Die Vergangenheit war immer mit uns, aber unsere Augen sahen nach vorne. Noch mehr als unser Glaube an einen G’tt und eine Welt des Daseins, hatten wir den Glauben an einen G’tt und an eine Welt die im Werden war.

Im Gegensatz dazu glich die griechische Auffassung von Zeit eher dem Mythos von Sisyphus, der dazu verdammt war, für immer einen schweren Stein bergauf zu rollen. Genauso wie der Stein immer wieder hinunterrollt, so rollt auch die Zeit wieder hinunter, sie bewegt sich zyklisch, wiederholt sich selbst und macht nie richtig Fortschritte. Aber für die Juden ist jeder Tag ein Same der zukünftigen Erlösung, das Unreine muss gereinigt werden, Fehler müssen berichtigt werden wenn wir vom Profanen zum Heiligen übergehen, vom Dienst zur Erlösung. Daraus folgt, dass unser Respekt vor der Zukunft leicht übertragen werden kann auf den Respekt einem Kind gegenüber, das vom Augenblick an, da es die Augen öffnet, jeden dazu inspiriert, darüber nachzudenken, wie die zukünftige Entwicklung wohl aussehen mag: Seine zukünftigen beruflichen Ziele, zukünftige Vorhaben und Errungenschaften. Daher konnte niemand die Cherubim anschauen, ohne sofort zu verstehen, wie Juden die Welt sehen, nämlich mit den Augen eines Kindes mit dem Blick in die Zukunft.

Der folgende Midrasch erklärt die Sache deutlich. Zwei Rabbiner gingen einmal auf der Strasse als ein dritter Rabbi vorbeikam. Der ältere der beiden Rabbiner nickte mit dem Kopf um ihn zu grüßen. Später als ein Kind vorbeikam neigte derselbe Rabbiner seinen Kopf bis zur Hüfte. Der jüngere Rabbiner verstand nicht warum sein älterer Gefährte das Kind mit größerem Respekt grüßte als den Kollegen. Und so erklärte der Rabbiner “Der Mann der vorbeikam ist weise. Ich weiß wer er ist und was er aus sich gemacht hat. Deshalb verneige ich meinen Kopf um sein Wissen zu grüßen. Aber dieses Kind hat seine ganze Zukunft noch vor sich. Es kann so groß wie die Propheten werden, größer sogar. Und mit dieser potentiellen Zukunft vor Augen, wie kann ich mich da nicht vollkommen verneigen?”

Ki Tissa

Paraschat Ki Tissa Exodus 30:11-34:35
Kerzenanzünden, Freitag 9. März um 18.02 Uhr
Hawdala, Samstag 10. März um 19.10 Uhr
In unseren anstehenden Wochenabschnitt lesen wir: “Und der HERR sprach zu Mose: Nimm dir Spezereien: wohlriechendes Harz (nataf), Räucherklaue (shechelet), Galbanum (helbana) und reinen Weihrauch, zu gleichen Teilen“ [Ex. 30:34]. Offensichtlich hören sich diese Worte – ob nun in Hebräisch oder Deutsch – verglichen mit unserem modernen Sprachgebrauch merkwürdig an. Aber noch viel merkwürdiger ist der rabbinische Kommentar, der besagt, dass eine dieser Pflanzenarten, helbana, nach Raschis Meinung, ein übel riechendes Gewürz, das uns als galbanum bekannt ist.

Raschi fügt weiterhin hinzu, dass die Tora neben diesen Gewürz auch Weihrauch enthält, um uns zu lehren, dass wir nicht die Aufnahme von jüdischen Übertretern in unsere Gebete ablehnen. Nein, auch sie müssen unter uns aufgenommen werden.

Raschi fördert damit eine sehr bedeutende rabbinische Erkenntnis. Die israelische Gemeinschaft – im Hebräischen tzibur, die drei Buchstaben tzadi, bet und reisch – muss sich aus unterschiedlichsten Typen von Juden zusammensetzten, den gerechten Juden (tzadi für tzadikim), den Juden der zwischen den Stühlen steht (bet für benonim) und den bösen Juden (reisch für resha’im), genauso wie das Räucherwerk des Heiligtums auch unappetitlich riechende Gewürze beinhaltete. Das soll uns daran erinnern keine voreiligen Schlüsse über andere Menschen zu schließen. Kein Jude, nicht einmal der schlimmste Sünder soll aus der Gemeinschaft Israels ausgeschlossen werden. Es muss jedem Juden gestattet sein mitzuwirken und nur, wenn alle Juden teilnehmen kann sich der süße Duft wahrhaftig entfalten.

Ein weiteres Beispiel: Anderthalb Monate ist es noch bis zum Pessach-Fest. Es handelt sich dabei um eine lebhafte Demonstration der Notwendigkeit jeden Juden eher miteinzuschließen als auszuschließen. Es gibt die vier Kinder: das weise Kind, das böse Kind, das einfache Kind und das Kind, das nicht weiß, was es fragen soll.

Aber bedenke: Das böse Kind ist nicht jemand, der nicht-koscher isst oder den Schabbat bricht. Er ist vielmehr derjenige, der sagt: „Welchen Wert hat das für dich?“, er ist derjenige, der sich selbst AUSSCHLIEßT und zwar von der allgemeinen jüdischen Gemeinschaft. Aber, wenn er sich selbst ausschließt – und wird deswegen böse genannt – werden WIR es nicht wagen IHN auszuschließen. An unserem Seder-Tisch muss immer genügend Platz sein, um ihn aufzunehmen.

Aber im Talmud können wir etwas finden, dass den Anschein hat dieser Philosophie der Einbeziehung zu widersprechen. In Eruvin und Avoda Zara heißt es, dass jemand, der öffentlich den Schabbat missachtet mit einem Götzendiener verglichen werden kann, dessen Wein nicht getrunken werden kann und der nicht bei einem Minyan mitgezählt werden darf. Soll das etwa heißen, dass ein Jude, der nicht die Schabbat-Gesetze und Rituale einhält heutzutage kein Recht hat ein Teil unserer Gemeinschaft zu sein?

Einer der größten Tora-Gelehrten des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Rabbi Zvi Hoffman ordnete an, dass diese talmudische Halacha definitiv nicht länger Geltung haben soll. Er erklärte hierzu, dass wenn jemand in der talmudischen Zeit, als die überwältigende Mehrheit der Juden den Schabbat einhielt und ein Jude durch seine Tora-Treue definiert wurde. Ein jeder Jude, der damals öffentlich den Schabbat übertritt demonstrierte damit, dass er sich selbst von der jüdischen Gemeinschaft ausschloss.

Heutzutage jedoch, erklärt Rabbi Hoffman, wenn nun mal – was sehr traurig ist – die überwiegende Mehrheit der Juden nicht praktizierend sind, dann bedeutet es auch nicht zwangsläufig, dass wenn ein Jude öffentlich den Schabbat bricht er damit auch absichtlich seinen Ausschluss aus der jüdischen Gemeinschaft demonstriert.

Ganz im Gegenteil! Die Tatsache, dass er in eine Synagoge hineingeht und bereitwillig am G“ttesdienst teilnimmt zeigt nur, dass er sich selbst als einen Teil der jüdischen Gemeinschaft betrachtet. Daraus schließt Rav Hoffman, dass ein Schabbat-Übertreter nicht nur bei einem Minyan mitgezählt werden soll. Er soll sogar ERMUTIGT werden mitzumachen.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.