Hallo
Im April beginnt mit den Vorbereitungen für Pesach und den Feierlichkeiten zum Chag ein äußerst intensiver Jahresabschnitt. Im ersten Teil, den ich über Pesach schreibe, werde ich mich überwiegend auf die praktischen Aspekte zum Chag konzentrieren. Und ich muss außerdem erwähnen, dass ich alles was ich heute schreibe eigentlich mehr oder weniger von folgender Seite übernommen habe: http://www.de.chabad.org/holidays/passover. Für weitere Informationen wendet euch bitte an diese Seite. Falls Ihr Englisch lesen könnt empfehle ich auch: http://www.aish.com/h/pes/
Okay, krämpelt die Ärmel hoch. Los geht’s!
Operation Null Chamez
Pessach ist ein Feiertag, der Ihre komplette Beteiligung in Anspruch nimmt – nicht nur über die acht Tage, sondern auch schon Wochen zuvor. Neben den regulären Feiertagsgeboten sind wir ferner angehalten (Exodus 13:3-7): “Nichts Gesäuertes soll gegessen werden… Sieben Tage sollst Du Ungesäuertes Brot essen… und nichts Gesäuertes [in Deinem Besitz] bei Dir gesehen werden.”
Wir erreichen dies durch sorgfältiges Reinigen und Inspizieren unserer Heime vor Pessach und schrittweisem Eliminieren von Chamez in jedem Raum und jeder Spalte. Dieses intensive Reinigen findet in jüdischen Heimen auf der ganzen Welt statt. Die folgende Übersicht und die Artikel helfen Ihnen, diese Aufgabe bei sich zuhause zu bewältigen.
1. Was ist Chamez?
Chamez ist “Gesäuertes” – jede Speise, die aus Getreide und Wasser besteht und die genügend Zeit hatte zu fermentieren und “aufzugehen”. Brot, Cerealien, Kuchen, Kekse, Pizza, Pasta und Bier sind offensichtliche Beispiele für Chamez. Allerdings können alle Speisen, die Getreide oder deren Derivate enthalten, Chamez sein – und oft sind sie es auch. Praktisch gesehen können alle Lebensmittel, die nicht als “koscher für Pessach” zertifiziert sind, Chamez Zutaten enthalten.
Chamez ist das Gegenteil von Mazza, dem ungesäuerten Brot, das wir an Pessach essen, um uns der Eile zu erinnern, in der wir Ägypten verließen sowie dem demütigen Glauben, durch den wir die Erlösung bekamen. Mazza ist das Symbol des Exodus, eine zentrale Komponente der Sederrituale und das Herzstück des “Festes der Mazzot”, wie Pessach in der Tora genannt wird. Und die Kehrseite des Mazza-Essens ist, dass man Chamez los wird – und damit auch den Egoismus und die geistige Rauheit, die sie repräsentiert.
2. Was man mit Chamez tut – oder eben nicht tut
Vom Morgen des Pessachabends bis zum Ende des Festes – für ungefähr acht Tage und acht Stunden – vermeiden wir das Essen von Chamez bzw. alles, was das kleinste Überbleibsel davon enthält. Es ist in dieser Zeit ebenso untersagt, Chamez zu besitzen, jedweden Nutzen aus Chamez zu ziehen oder Chamez physisch in unserer Nähe zu haben.
Weil Chamez in unseren Leben überall präsent ist (stellen Sie sich eine menschliche Behausung ohne einen einzigen Kekskrümel vor!), ist das Loswerden an Pessach kein einfaches Unterfangen. Die Vorbereitungen, das Heim “koscher für Pessach” zu machen, beginnen Tage, sogar Wochen davor. Aber für diejenigen, die die Anstrengungen der Reinigung auf sich nehmen, ist es ein noch bedeutungsvolleres Fest der Freiheit.
Ein Chamez-freies Pessach zu erzielen beinhaltet sechs grundlegende Schritte: Reinigen des Heims, herstellen einer Pessachküche, der Verkauf, die Suche nach, das Verbrennen und die Annullierung des Chamez.
3. Reinigen des Hauses
Einfach gesegt (obwohl nicht leicht getan) – reinigen Sie Ihr Heim gründlich von oben bis unten. Staubsaugen Sie die Teppiche und Böden, wischen Sie Schränke und Bücherregale ab. Stellen Sie sicher, dass Sie auch jene Bereiche reinigen, die sehr schwer zu erreichen sind: unter den Sofakissen und zwischen den Bodendielen. Verschieben sie Möbel und Kühengeräte, um dahinter und an die unteren Stellen zu gelangen. Leitgedanke: sollte sich der sprichwörtliche Kekskrumen dort befinden – holen Sie ihn sich.
Da jeder Bereich des Heims gereinigt wird, stellen Sie sicher, dass jeder weiß, dass es “koscher für Pessach” und absolut gesperrt für Nahrung ist, die man dort herein bringen möchte. Praktischer Ratschlag: beginnen Sie mit den Schlafzimmern, dann weiter zum Wohnzimmer und anderen gebräuchlichen Räumen und zum Schluss Esszimmer und Küche, sodass Sie diese Orte nutzen können, das Chamez so nah wie möglich am letztmöglichen Termin zu verspeisen.
Andere Orte, die gereinigt werden müssen: Büro, Auto, Taschenbuch – jegliche Bereiche, die Ihnen gehören, von Ihnen gemietet wurden oder deren Nutzungsrecht Sie besitzen. Orte, die Sie nicht reinigen müssen: 1. Räume und Bereiche, von denen Sie absolut sicher sind, dass dort keinerlei Nahrung hineingebracht wurde und 2. Räume oder Bereiche, die verkauft werden (siehe Schritt 5).
4. Die Küche vorbereiten
In Ihrer Küche bereiten Sie das ganze Jahr über Chamez zu. Es ist also offensichtlich der schwierigste Teil des Hauses, den man “koscher für Pessach” machen muss. Es ist aber auch der wichtigste Teil, da Sie dort Ihre “koscher für Pessach”-Speisen zubereiten werden.
Reinigen Sie die Küche besonders gründlich. Decken Sie die Schränke mit Pappe, Silberfolie oder Papier ab. Bedekcen Sie auch alle Arbeitsplatten und Tische.
Es ist wünschenswert, getrennte Sets an Töpfen, Geschirr, Besteck etc. zu haben, die nur für den Gebrauch an Pessach bestimmt sind. Viele besitzen auch spezielle obere Bereiche, Toaster, Mikrowellen usw., die nur für den Pessachgebrauch bestimmt sind. Falls dies nicht nötig ist, so können Kochgegenstände, Besteck und bestimmte Arten Geschirr durch das Eintauchen in kochendem Wasser gekaschert werden. Öfen und Kochbereiche können durch Erhitzen gekaschert werden. Siehe u.a. Link “Die Küche vorbereiten” für die angemessene Prozedur für die jeweiligen Gegenstände.
5. Der Verkauf Ihres Chamez
Sagen wir, Sie besitzen einen Getränkemarkt. Oder Sie haben sich gerade einen für drei Monate reichenden Vorrat an Cerealien zugelegt. Oder aber Sie wohnen in einem 40-Zimmer-Anwesen und haben nicht die Lust, alles zu reinigen. Besteht die Möglichkeit, den Besitz an Chamez zu vermeiden, ohne es für immer loszuwerden?
Ja, die gibt es. Da sich das Gebot, Chamez loszuwerden nur auf Juden bezieht, können Sie es doch kurzerhand an Nichtjuden verkaufen und nach Pessach zurückkaufen. Der Bereich, in dem sich das Chamez befindet, wird über die Dauer des Festes an einen Nichtjuden verpachtet. Es ist wichtig zu erkennen, dass der Verkauf nicht symbolischer Natur ist, sondern einen 100 %ig verpflichtende Transaktion. Das können Sie durch www.ordonline machen.
Bestimmen Sie den Ort, an dem Sie Ihr zum Verkauf stehendes Chamez lagern werden. Dies können Schränke, Räume oder ganze Häuser sein. Bedenken Sie, dass Sie diesen Bereich über den Zeitraum des Fests nicht nutzen oder betreten dürfen. Ihr örtlicher Rabbiner kann den Verkauf für Sie übernehmen, nachdem Sie ihm eine Vollmacht für den Verkauf Ihres Chamez gegeben haben. Sie können Ihr Chamez auch online über unsere Webseite verkaufen.
6. Die Suche
Am Vorabend Pessach (nicht vor 20.42) führen wir im Kerzenschein eine feierliche Suche nach jeglichem vergessenen oder zurückgebliebenen Chamez durch. Sie benötigen: eine Kerze (um die schwer erreichbaren Ecken und Verstecke zu erleuchten), eine Feder (um die kleinen Krumen aufzuwirbeln), einen hölzernen Löffel (um das Chamez zu halten und das Verbrennen zu erleichtern sowie eine Papiertüte (in das all das Erwähnte kommt).
In diesem Moment sollte das Haus vollständig für Pessach gereinigt sein und hoffentlich findet man kein Chamez mehr. Daher ist es gebräuchlich, zehn eingewickelte Stücke Brot im Haus zu verstecken, um vom Suchenden gefunden zu werden (Kinder lieben diesen Teil), sodass wir das Gebot, vor Pessach nach Chamez zu suchen und es zu zerstören, erfüllen können.
Versammeln Sie die Familie, entzünden Sie die Kerzen und rezitieren Sie den Segen:
Gesegnet seist Du, G-TT, G-tt des Universums, der Du uns durch Deine Gebote geheiligt und uns geboten hast, das Chamez zu beseitigen.
Suchen Sie gründlich im gesamten Haus nach Chamez, das bei der Reinigung übersehen worden sein kann und sammeln Sie die zehn versteckten Stücke ein. Packen Sie das Chamez, die Feder, den Holzlöffel und die Rückstände der Kerze in die Papiertüte, verschließen Sie diese sorgfältig und lagern Sie sie an einen sicheren Ort, um es morgen früh zu verbrennen. Rezitieren Sie nun die “Annullierungserklärung”, mit der Sie sich vom Besitz des Chamez freisprechen, das Sie vielleicht übersehen haben:
Jeglicher Sauerteig und alles Gesäuerte in meinem Besitz, den ich nicht gesehen und entfernt habe und von dem ich nichts weiß, soll als nichtig und besitzlos wie der Staub der Erde betrachtet werden.
7. Letzer Termin zum Essen von Chamez
Der absolut letzte Termin, Chamez zu essen, ist am Morgen vor Pessach um 10.32.
Nach dieser Zeit ist es bis zum Ende des Festes verboten, Chamez zu essen. Ihnen verbleibt immer noch eine Stunde (bis um 11.59), in der Sie Chamez aus Gründen verwenden können, bei denen Sie es nicht essen und dürfen damit umgehen, um es zu verkaufen oder zu zerstören.
8. Verbrennen des Chamez
Nehmen Sie den Beutel mit dem Chamez der Suche von letzter Nacht sowie alles andere Chamez, das Sie nicht verkaufen werden, machen Sie ein Feuer und verbrennen Sie es. Wenn Sie das Chamez in Flammen aufgehen sehen, so denken Sie auch an Ihr persönliches Chamez – den aufgeblasenen Stolz und Egoismus, der die Beziehung zu unserem Schöpfer, unseren Geliebten und unseren Freunden behindert – und wie Sie es auch aus Ihrem Herzen ausrotten.
Die Bereiche, in denen sich das verkaufte Chamez befindet, sollten versiegelt worden sein und es sollte keinerlei Chamez mehr in Ihrem Besitz befindlich sein.
9. Annullierung Ihres Chamez
Nachdem das Chamez verbrannt wurde, rezitieren Sie die folgende “Annullierungsbekundung”, mit der Sie sich vom Eigentum jeglichen sich noch in Ihrem Besitz befindlichen Chamezes freisprechen:
Jeglicher Sauerteig und alles Gesäuerte in meinem Besitz, ob ich es gesehen habe oder nicht, ob ich es bemerkt habe oder nicht, ob ich es entfernt habe oder nicht, soll als nichtig und besitzlos wie der Staub der Erde betrachtet werden.
(Die Annullierungsbekundung, die am Vorabend ausgesprochen wurde, bezog sich lediglich auf Chamez, das während der Suche übersehen wurde, aber beinhaltete nicht all jenes Chamez, das zum Verkauf oder Essen am Morgen zur Seite geschafft wurde. Die heutige Bekundung deckt alles Chamez ab, das noch in Ihrem Besitz sein könnte und dient als letzte “Sicherheitsmaßnahme” für ein Chamez-freies Pessach.)
Bedenken Sie, dass das Verbrennen und das Annullieren des Chamez vor dem letzten Termin zur Beseitigung des Chamez abgeschlossen sein müssen; dies ist eine “saisonale Stunde” vor Mittag.
Von nun an sind Sie “Chamez-frei”, körperlich und geistig – und frei, um die Befreiungserfahrung der Sederrituale und des achttägigen Festes der Freiheit zu genießen.